Und weg mit dem Druck! – die Abschaffung der Langzeitstudiengebühren in Bremen kommt

Viele Bundesländer haben es bereits vorgemacht – jetzt zieht Bremen nach. Ab den Wintersemester 2020/21 werden die Langzeitstudiengebühren wegfallen. Das ist ein wichtiger Schritt der SPD-Wissenschaftssenatorin Claudia Schilling -insbesondere Jusos und die Hochschulgruppe „AStA für Alle“ hatten auf eine Abschaffung gedrängt. Unmittelbar profitieren werden die Langzeitstudierenden, die bisher jedes Semester 500€ zahlen mussten. Allein an der Universität Bremen sind es über 1000 Menschen. Doch auch alle anderen Studierende an der Bremer Universität und den Hochschulen werden nun von Stress und Bevormundung entlastet.

SPD-Senatorin Schilling trägt mit dem Wissenschaftsressort die Verantwortung für den Vorstoß. Bild: Senatorin für Wissenschaft und Häfen

Die jetzt wegfallenden Studiengebühren beruhen auf dem Bremischen Studienkontengesetz von 2005. Dort ist geregelt, dass alle Studierende in Bremen und Bremerhaven nach 14 Semestern Studiendauer einen zusätzliche Gebühr von 500€ je Semester zahlen müssen. Die Zahlungspflicht greift also nach 4 Semestern über der Regelstudienzeit. In der Vergangenheit war auch dieser enge Zeitrahmen immer wieder kritisiert worden. Denn die Regelstudienzeit von 10 Semestern ist in der Praxis bei vielen Studiengängen kaum einhaltbar. In vielen Fächern, besonders den naturwissenschaftlichen, sind das Durchfallen in Prüfungen an der Tagesordnung und somit ein verlängertes Studium für viele Studierende notwendig. Durch die neue Regelung findet eine deutliche Entlastung statt. Studierenden wird nun die Möglichkeit gegeben sich detailliert mit Themen und Sachverhalten auseinanderzusetzen und nicht mehr länger unter Druck zu versuchen irgendwie zu bestehen. Profitieren wird also auch die Ausbildung an der Universität.

Die Idee einer „Uni für Alle“, die hinter der Abschaffung der Langzeitstudiengebühren steht, ist ur-sozialdemokratisch.

Die Abschaffung könnte jetzt leichtfertig als Anpassung an die Realität verstanden werden. Aber sie ist mehr als das. Langzeitstudiengebühren waren schon immer einem Konzept einer „Uni für alle“ zuwider. Die Idee, eine Universität zu schaffen, die allen Studierenden die Möglichkeit gibt sich zu bilden, zu forschen, zu engagieren und auszuprobieren – auch wenn es auf den ersten Blick nicht in den Lebenslauf passt, ist ur-sozialdemokratisch. Durch ein selbstbestimmtes Studium soll der Aufstieg durch Bildung ermöglicht werden. Nicht alle Menschen müssen studieren, aber unabhängig von der Herkunft soll für Alle die Möglichkeit bestehen.

Die Langzeitstudiengebühren waren aber eher der Ausdruck einer Ideologie, die die Studierenden möglichst schnell auf den Arbeitsmarkt vorbereiten sollte. Die Möglichkeiten sich während des Studiums außerhalb des eigenen Studienfaches in Universität und Gesellschaft zu engagieren wurden naturgemäß eingeschränkt. Zudem war ein Wechsel des Faches praktisch unmöglich, da die bereits geleisteten Semester des alten Studiums auf das neue Studium angerechnet wurden. Schließlich stellen Studierende oftmals fest, dass das Fach sie vor zu große Herausforderungen stellt oder die Erwartungen nicht erfüllen kann. Diesen Personen wird nun eine echte zweite Chance gewährt.

Rückendeckung für SPD – Kritik von CDU

Studieren heißt nicht nur Büffeln für Klausuren, sondern auch eine freie Entwicklung des Geistes.
Bild: Dollar Gill / Unsplash

Der Rückhalt für den SPD-Vorstoß ist groß. Aus den Koalitionsparteien gibt es Zustimmung, positiv äußern sich auch die Studierendenvertretungen. Doch es gibt auch andere Stimmen. Insbesondere die CDU ist der Auffassung, dass die Gebühren auch ein Anreiz sein sollen, dass Studium möglichst schnell fertig zu stellen – das ist tief unsozial. Gleichzeitig verwundert es aber auch nicht, schließlich hatte der Druck der CDU 2005 zur Einführung der Langzeitstudiengebühren geführt.

Verlierer der Langzeitstudiengebühren waren nämlich v. a. Studierende mit sozialbenachteiligtem Elternhaus – und das in mehrfacher Hinsicht! Viele sind gezwungen einen Nebenjob auszuüben, da das Bafög oftmals kaum zum Leben reicht. Wenn sie deswegen auch noch länger für ihr Studium brauchen sind sie durch die Gebühr doppelt bestraft. Die Corona – Krise hat die Lage dabei noch verschärft. Viele Studierende haben ihren Nebenjob verloren und haben große Einkommensprobleme – die 500€ Langzeitstudiengebühren waren kaum zu stemmen.

Die SPD-Wissenschaftssenatorin hat mit ihrer Entscheidung einen wichtigen Schritt gemacht. Natürlich muss noch viel getan werden, damit allen ein selbstbestimmtes Studium ermöglicht wird. Die Abschaffung der Langzeitstudiengebühren bringt diesen Anspruch etwas näher, dafür kann man einfach mal Danke sagen. Danke Claudia Schilling!

Jonas Elster

Jonas Elster

Jonas Elster studiert Recht und Politik an der Universität Bremen.

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